von Beate
Großmann-Hofmann
"Auf zum Taunus - Untersuchung zur Hebung des
Verkehrs und Förderung der Besiedelung im südlichen Taunus" - so hieß ein
aufwendig gestaltetes Buch, das 1908 erschien und für nur 7.50 Mark zu kaufen
war. Als Herausgeber zeichnete im Auftrag des Obertaunuskreises der Landrat,
Ritter von Marx. In dem erwähnten Buch wurden alle Städte und Dörfer des
damaligen Obertaunuskreises, insgesamt 30, vorgestellt. Das besondere Gewicht
der Vorstellung lag hierbei auf dem in Aussicht genommenen Baugelände.
In
einem sehr ausführlichen Vorwort (es endete übrigens mit den Worten: “Allen,
die der Erholung bedürfen, die Ruhe und Zuversicht suchen, Allen, die unsere
schönen Täler lieben, rufen wir daher voll froher Zuversicht zu : Auf zum
Taunus“) schilderte Landrat von Marx die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts
eingetretene Verstädterung mit ihren negativen Seiten. Mittlerweile sei jedoch
wieder eine Gegenbewegung auf das Land festzustellen. Um diesen Zuzug auf das
Land nicht nur der Wohlhabenden, sondern auch des Mittelstandes zu fördern,
hatte sich ein Ausschuß gebildet, der sich mit diesem Projekt befassen sollte.
Aus Königstein gehörte dem Ausschuß ein Direktor Borkenhagen an, aus
Falkenstein Philipp Fege.
In
dem erwähnten Buch wurde jeder Ort mit Text und Bildern präsentiert, eine
Übersichtskarte zeigte rot markiert das jeweilige vorgeschlagene Baugebiet.

Das
zum Bauen vorgeschlagene Gelände in Schneidhain befand sich am Waldrand und
umfaßte die erst Jahrzehnte später bebauten Gebiete „Am Ziegelheck“ und „Die
Braubach“ und zog sich nach Osten hin bis zum „Wallgraben“.

Aussicht vom Gasthaus Rothenbächer (heute Diskothek)
aus auf Königstein. Im Vordergrund
der alte Schneidhainer Ortskern. (Aus dem erwähnten Werbebuch von 1908)
"Ein
freundliches Dörfchen mit etwa 350 Einwohnern", so lautete die werbende
Beschreibung. Wir erfahren, daß auch Schneidhain einen kleinen Kastanienhain
besaß. Dieser war dem Wald im Norden des Dörfchens vorgelagert und befand sich
ungefähr an der Stelle, wo heute die Blumenstraße verläuft. Obstanlagen umgaben
Schneidhain. Die von dem Werbebuch angesprochenen Neuansiedler wurden besonders
auch auf die gute Verbindung durch die Höchst - Königsteiner Eisenbahn nach
Frankfurt hingewiesen. Eine Hochdruckwasserleitung sei geplant, die die in
Betrach kommenden Grundstücke mit gutem Trinkwasser versehen könnte (diese
Leitung wurde tatsächlich noch 1908 gebaut). Die Grundstückspreise wurden -
dies klingt fremdartig in unseren Ohren ! - als "mäßige" bezeichnet;
genauere Angaben gibt es dazu leider nicht. Ansiedlungsgelände in vorzüglichen
Lagen stünde hinreichend zur Verfügung .
Die
großen Pläne, die der Landrat und der Ausschuß hatten, konnten damals nicht
realisiert werden. Durch die beiden Weltkriege sollte es noch 50 bis 60 Jahre
dauern, bis die für Schneidhain geplante Bebauung durchgeführt werden konnte.

Dem
Werbebuch „Auf zum Taunus“ sind am Schluß Entwürfe zu Einfamilienhäusern
beigefügt. Insgesamt acht Architekten aus der näheren Umgebung, darunter auch
der Architekt Feger aus Falkenstein, stellten ihre Entwürfe mit Plänen und
Kostenberechnungen vor. Die Preise? Sie setzen uns heutezutage in Erstaunen:
vier der Häuser sollten zwischen 13.000 und 19.000 Mark kosten, die übrigen
vier waren etwas kostspieliger.
Sie wurden zwischen 25.000
und 100.000 Mark veranschlagt.

Aus dem erwähnten Werbebuch von 1908