Auch in Straßennamen kann sich Geschichte
niederschlagen, wenn sie an alte Flurnamen anknüpfen. Manchmal sollen sie aber
auch schön sein, die Bürger haben gern eine wohlklingende Adresse, und ein
freundlicher Name schmückt eine ganze Siedlung. Es ist nun schon 30 Jahre her,
daß ein Bebauungsplan aufgestellt wurde für ein Gebiet, das mit
„Braubach/Ziegelheck“ nach zwei alten Flurnamen bezeichnet wurde. Aber für die
Sitzung am 21.6.68 wurden noch mehr Straßennamen benötigt. Auf der Topographischen
Karte 5816 las ich nordwestlich Schneidhains
Ich war nicht der einzige, dem der Namen gefallen hat; auch den Herren von Hoechst, so daß die Straßenführung geändert werden mußte, damit die meisten Anwohner dort wohnen konnten. Erdbeerstein, das klingt nach Fels und Gebirge. Aber es gibt keinen Berg, keine Höhe dieses Namens. Es ist die Flurbezeichnung eines Ausläufers von Eichkopf (563,3 m) und Steinkopf (569,8 m) nach Süd und Südost, der südlich Schneidhains über Hanberg und Rotherberg in die Hornauer Bucht mündet. Der Erdbeerstein war vermutlich ein Felsen oder eine Felsgruppe. Georg Gregori, Schneidhainer Bürgermeister und Königsteins Erster Stadtrat außer Diensten, erwähnt einen seit einiger Zeit aufgelassenen Steinbruch, der auf der Höhenlinie 330 m an dem Wirtschaftsweg liegt, der ab Höhepunkt 347,7 m als Fußweg zum Frankenborn (dem Quellgebiet der Retterser Bäche unterhalb der Straße Königstein-Ruppertshain in der Nähe der Kurve bei Punkt 402) führt.
Bei der alten Grenzbeschreibung der Sulzbacher Mark von 1581, ergänzt durch Angaben eines Grenzumgangs von 1614, erwähnt Raven (S.84) den Erdbeerstein nicht.
Dorn und Piepenbring
benennen ihn anders: Dorn (S.25) zitiert die Grenzbeschreibung des
Gerichtsbezirkes des höfischen Dinggerichts von 1343: „... und fängt an über
die Braubach am Retterspfad der auf die Burg Königstein geht, an der
Liederbacher Waldmark und der Königsteiner Ziegelhütte. Von hier zieht die
Grenze hinauf zu dem Ebernstein, Sandplacken (nicht zu verwechseln mit
dem Sandplacken östlich vom Feldberg) und dem Frankenborn, von hier aus dann
über den Ruppertshainer Weg ...“ Piepenbring schreibt im wesentlichen
übereinstimmend: „... und gehet dieselbige Mark an in der Braubach ... und
stößt an der Liederbacher Mark bis an den Ebernstein, und führte zum
Frankenborn und Ruppertshainer Weg ...“. –
Der Name Ebernstein
hat viel Wahrscheinlichkeit für sich. Das Gebiet ist feucht, wird von einem
Bach durchflossen, und der Sandplacken lädt zum Suhlen ein. Das Wort Placken
bedeutet Flecken, mhd placke = Fleck, Stelle. Man wird der Sache
nachgehen müssen.
Die Flur Braubach, 1146 und 1222 als Brubach in Schutzbriefen für Kloster Retters genannt, ist das von dem/der Braubach bewässerte/entwässerte Tal. Der Name ist ein vorgeschichtlicher Gewässername Bru und bedeutet Sumpf-, Schmutz-, Moor- und Moderwasser, verwandt mit Brühe und Brauen, auch mit Bruch(wiese) und Brühl. Die Schneidhainer Flur In der Braubach, wie auch der westliche Teil des alten Sportplatzes, war stockig und feucht und vor allem im Frühjahr sumpfig. Bei der Anlage des Kinderspielplatzes oberhalb des Sportgeländes sprudelten Quellen aus Oberflächenwasser, das im Treppenpodest gesammelt und in Halbschalen um den Platz geleitet wurde, so daß man die Füße kühlen konnte. Die Entwässerung des Baugeländes Braubach/Ziegelheck erfolgte durch Drainage nördlich der Parzellen am Waldrand mit Ableitung des Wassers in die gemeinsame Klärgrube, bis der Kanal in der Wiesbadener Straße gelegt war; das Wasser wird nun in die Zisterne zur Bewässerung des Sportplatzes geleitet, und deren Überlauf sowie das Oberflächenwasser aus dem Werksgelände füttern den/die Braubach.
Dieser Wald „war der sehr frühe, vor 1200, errichteten Pfarrei Scheidhain, zu welcher Altenhain und Dietzelshain gehörten, zur dauernden Nutzung zugeteilt. Da die Schneidhainer Kirche eine St.-Johannis-Kirche war, wird der Wald bezeichnet als „Zu St. Johannis Eigengütern gehörig“, „St. Johanniswäldlein“, „Johannishecken“, auch „Des Pfaffen Wald“ (1510).“... Warum aber das der Pfarrei gehörende Wäldchen nicht im Besitze der Pfarrei blieb, darüber schweigen die Akten.“
Milcheshohl
In den älteren Flurkarten 1:5000 (Ausgaben 1961 und 1971) ist die Milcheshohl noch als Hohlweg eingetragen. Man erkennt eine tiefe und breite Höhlung die den älteren Einwohnern noch gut erinnerlich ist. In den 50er Jahren wurde sie mit Bauaushub verfüllt. Die Breite erkennt man auch heute noch an der Breite der Straße „Milcheshohl“. Eine Skizze von Georg Piepenbring (1848-1938), die den Anschein der Abzeichnung einer Beilage zu einer Urkunde erweckt (z.B. Jahreszahlen MCCXXII und 1516), erwähnt Michilhohl. Das bringt das mhd. Adjektiv michel = groß in Erinnerung. Die Milcheshohl war vor ihrer Verfüllung eine Michelhohl, eine große Hohl, ein großer Hohlweg.
Mit Gewann, von mhd gewande von wenden, wird
die Pflugwende bezeichnet. „Der durch die Wendefläche des Pfluges verbleibende
Grenzstreifen, der nachträglich vertikal zur Hauptrichtung gepflügt werden
mußte, faßt ... die entstehenden Parzellen zu einer Einheit zusammen, ...
Flurabteilung ist die heutige Hauptbedeutung.“ (HFlNA 7) Der Vordere Grüneweg,
der die Mittelgewann und die lange Gewann trennt, und der hintere Grüneweg
südlich der langen Gewann sind die og. Grenzstreifen.
Nördlich der Mittelgewann gibt es eine Flurabteilung namens Die Anwander mit Parzellen in West-Ost-Richtung, also quer zur Mittelgewann, mit einem gemeinsamen Wendestreifen am Ostende. Dadurch bekommt auch der Name Mittelgewann seinen Sinn. Südlich an den hinteren Grüneweg schließt die Flurabteilung Vor dem Wäldchen an; sie könnte noch dazu gehören. - Gewanne wurden mittels „Flurzwang“ mit der Dreifelderwirtschaft eingeführt.
Die Annahme, daß es sich bei den Schneidhainer
Flurnamen, die mit Wall und Graben umgehen, um Befestigungen gehandelt habe,
hat wenig Wahrscheinlchkeit für sich. - Georg Gregori ist der Meinung, es
handele sich bei dem Wallgraben um einen Wollgraben. In der Dorfchronik
von Lehrer Dorn heißt es: „Eine bedeutende Erwerbsquelle bildete die
Schafzucht. Eine Reihe von Urkunden und Aufschriften weisen darauf hin.
„Schneidhain, Altenhain und Königstein haben eine Kuppelweide in der
Liederbacher Mark und wird jährlich nach der Schafschur von den genannten Orten
ein Wollmarkt in Schneidhain abgehalten.“ Die Kuppelweide ist eine umzäunte
Weide = Koppel.
Piepenbring hat in seiner Skizze „MCCXXII/1516“ als
Wollmark ein Flurstück am Nordostrand des Dorfes gekennzeichnet, und in der
Neuenhainer kath. Pfarrchronik von Schneidhain notiert er, daß „auch ein großer
Wollmark“ da gewesen sei, und weiter, „oben der jetzige Judenhohl ... stand
eine Fabrik.“ In der Flurkarte für Schneidhain von 1892 ist an der Ostseite der
Waldhohl eine Reihe von Parzellen als Fabrik bezeichnet, wobei es sich um die
Wollmark handeln könnte. Hierzu paßt Dorns Angabe, daß am 30.5.1581 Graf
Christoph von Stolberg einen Schafhofplatz mit Zubehör verkauft habe,
„vorbehaltlich der Benutzung der Lehmgrube“. Der Hinweis auf die Lehmgrube paßt
zur Flur Ziegelheck und zur Ziegelhütte und erklärt auch, warum die 1948/49
gebaute kath. Kirche ständig Setzrisse zeigte, weil es sich bei dem Bauplatz an
der Waldhohl um aufgefülltes Gelände gehandelt habe, was allerdings mit einem
früheren Steinbruch an der Waldhohl erklärt wird.
Der Platz der Wollmark wird durch den Bericht über den
Grenzganz von 1582 bestätigt: „... am Hanberg oberhalb Schneidhain nit weit von
Königstein sind sie gangen an der Vogteibezirk von dem Schafhof zu Schneidhain
an die alte Kirch, von dannen den Weg hinan nach dem Garten der hangende Stein
genannt.“ Ein Hirtenhäuschen wird als Gemeindeeigentum erwähnt, das später als
Schulhaus dient. 1800 wird eine neue Schäferhütte gebaut, 18 Schafhorten
werden angefertigt. Die Gemeindekasse verzeichnet noch weitere Ausgaben.
Wasser für die Schafhaltung lieferte der Kirchgraben,
der das Fabrik-Flurstück im Osten begrenzt. Und der Wollgraben? Er war der Weg
von der und zur Wollmark. - Aber auch in diesem Falle wird man weiter suchen
müssen.
Kuckucksweg
bestand.
Im Jahre 1944 wurde der in Frankfurt am Main ausgebombte Betrieb der Firma
Seeger & Co in den Schneidhainer Teil des Johanniswaldes verlagert. Bald
entstanden in der Nähe einige Behelfsheime, so auch auf der anderen Seite des
Grenzweges im Altenhainer Teil. Wohl aus postalischen Gründen benannte man ihn.
Wer ihm den Namen Kuckucksweg verlieh, ist nicht bekannt; vermutlich ein Altenhainer,
der die Nachbarn uzen wollte. Kuckuck war nämlich der Spitzname der Schneidhainer,
die man damit schwer ärgern konnte. Heute ist der „Übername“ mit Schmunzeln
angenommen. Am 1.1.77 kam auch der Altenhainer Johanniswald zu Königstein und
zum Stadtteil Schneidhain. Eine Ausnahme im „Vogelviertel“ bildet der Name
Am Rabenstein.
Am
Rabenstein können Raben gekrächzt und dem Felsen den Namen gegeben haben. Im
Stadtplan von Königstein M. 1:5000 o.J. (ca. 1951) sind im Johanniswald
der Ravenstein und ein Baum als ND (Naturdenkmal) vermerkt; in der
Flurkarte von Schneidhain M. 1:5000 Ausg.1961 ist daraus Rabenstein
geworden. Die frühere Annahme, hier sei ein Richtplatz gewesen, ist irrig. Man
hat ihn mit dem Königsteiner Rabenstein auf dem Hardtberg verwechselt,
der in der Wolffschen Karte von 1592 verzeichnet ist. Für die Sulzbacher Mark,
zu der Schneidhain gehörte, war zur Vollstreckung der „peinlichen“ oder
„Halsgerichtsfälle“ die Richtstätte „zu den tiefen Wegen“ (bei Sossenheim)
zuständig.
Piepenbring
nennt ihn in seiner Skizze Hunnenstein. „In dem genannten Wald war ein
interessanter hoch ragender Felsen, darauf quer noch ein mächtiger schwerer
Felsen lag. Es war das eine seltene Naturerscheinung, wie eine gleiche im
ganzen Taunus nicht mehr vorhanden war. Der Gemeindevorstand beschloß jedoch
vor Jahren, weil in der Nähe Stücksteine zu einem Weg gebraucht wurden, den
oben liegenden Felsen durch Sprengen herabzustürzen, welches auch mit großer
Mühe und Lebensgefahr ausgeführt wurde. Man wollte auch den jetzt noch
emporragenden Felsen sprengen, doch die Forstbehörde gebot Einhalt...“ Bei
einem Grenzgang 1582 wird „der hangende Stein“ genannt (Dorn S.58).
Die
Oberfläche des Felsens war brüchig, was spielende Kinder gefährdet. Dies und
die Lage abseits der Bebauung bewog die Gemeinde in den 60er Jahren, ihn und
die nahebei stehende, als Naturdenkmal geschützte Eiche einem Grundstück zuzuschlagen.
Der Felsen ist nun, durch die Entfernung brüchiger Stellen verkleinert, Teil
der Wand eines Büros.
Am Hohlberg
Der
Flurname hat vermutlich nichts mit einer Hohl oder einem Hohlweg zu tun; denn
ein solcher ist nicht in der Nähe. Von Nordwesten, vom Eichkopf (569,8 m üNN)
her neigt sich der Bergrücken ständig bis zu 310 m in der Ortslage an der
nördlichen Gemarkungsgrenze und 296 m an der Fischbacher Straße. Die Neige
setzt sich fort im Hanberg und im Rotenberg bis zur Hornauer Bucht, als ununterbrochene
Wasserscheide. Der Flurname kann daher mit althochdeutsch (ahd.) halt = geneigt
(siehe Halde) zusammenhängen oder mit mittelhochdeutsch (mhd.) holt,
ahd. hold = gnädig (Huld).
1819
wird im Vorderen Holberg
(ohne h) ein Waldstück gerodet und in 24 Losen auf Lebenszeit
verpachtet, später werden noch einmal 54 Lose gerodet und verpachtet. 1821
wird ein Teil des Geländes mit 100 Äpfelbäumen bepflanzt. „Diese weise Vorsicht
der Gemeindeverwaltung hat sich später sehr zum Segen der Gemeinde ausgewirkt“
(Dorn, Dorfchronik): der Obsterlös war bis zur Jahrhundertwende die Haupteinnahme
der Gemeinde. 1908 wurde der nördliche Teil der Flur als Villengebiet
angepriesen: „Auf zum Taunus“. Seit 1950 befinden sich darauf Schule,
Kindergarten, Dorfgemeinschaftshaus und Mehrzweckhalle (jetzt:
Heinrich-Dorn-Halle).
Am Zankwald.
Dieser
Weg, an dem auch der Friedhof liegt, verläuft im vorderen Zankwald. Er
ist eine sehr lange, spitz zulaufende und bis zur Gemarkung Hornau schmal
weitergehende Flur. Ihren Namen hat die Flur vermutlich vom mittelhochdeutschen
Wort zanke = Spitze. Es ist
verwandt mit mhd. zange, ahd. zanga (mit idg. Wurzel) und zangen
= zerren und bedeutet eigentlich spitzes Gerät (zum Entlauben der Äste).
Verwandt damit ist auch das Werkzeug (Spitz-)Zange.
Vielleicht
hat ‘Forstjäger’ Nathan an diese Bedeutung bei der Vermessung der
Sulzbachermark-Waldung 1807 gedacht, als er im Verzeichnis der Generalkarte „An dem Zangenwäldchen“
schrieb. Bei der Grenzbeschreibung der Sulzbacher Mark 1581 heißt es Zänkwald,
und in der Karte des Rotenbergs von Sebastian Wolff von 1592 wird die Flur als Zenckwelche
bezeichnet.
Auch
der im Westen der Gemarkung gelegene hintere Zankwald (Werksgelände
Seeger, vom vorderen durch die ehemaligen Braubachwiesen getrennt) ist
keilförmig.
Der
Flurname deutet aber auch auf Hader und Streit hin. Anlaß dazu gaben u.a.
Rodungen am Hanberg: „... am
14.2.1495 kommt wieder ein Ausgleich nach ‘Irrungen’ zustande, ... Herr
Eberhard [d.i. Eberhard IV. von Eppstein-Königstein] wird verpflichtet, daß er
von dem gerodeten Gelände am Hanberg dem Limburger Abt den Neurod-Zehnten
entrichtet“ (Raven S.87). Am 19.10.1594 beschweren sich die Markdörfer „beim
Kurfürsten von der Pfalz, daß der Kurmainzer Oberamtmann in Königstein den
Pächter des herrschaftlichen Hofs Retters angewiesen hat, die Schweinemast im
sogenannten Zankwäldchen für sein Vieh zu gebrauchen“; zu diesem Zeitpunkt hat
der Königsteiner Herr sie schon als „Eigen“ betrachtet. Bei der Marktteilung
1809 sind die Zankwäldchen, südlich der Straße nach Fischbach gelegen,
„herrschaftlich“; Schneidhain tauscht sie gegen den bei der Teilung erhalten
Anteil an der Kalbsheck ein.
An den Geierwiesen
Der
Flurname schreibt sich Geyerwiesen, so daß er sich vielleicht aus Gehrwiesen
gebildet haben könnte. Gehr(en) von gêr = Speer, ahd. gêr,
gêre = keil-, wurfspießförmiges Stück, auch keilförmiges Stück am Gewand,
Zwickel. Im übertragenden Sinne kann also ein dreieckiges, keilförmig zulaufendes
Grundstück damit bezeichnet werden. Grundstücke in der Randlage an der alten
Dorfstraße sind teilweise keilförmig geschnitten. Geier waren inmitten des
alten Ortsberings vermutlich nicht zu finden. Vor der Gemeindefusion hieß die
Straße Obere bzw. Untere Kirchstraße.
An der Försterwiese
Ein
(kurpfälzischer) Förster namens Velten Hartmann ist zwischen 1590 und 1617
bezeugt. „Er bewohnt den Försterhof in Schneidhain, der von der Herrschaft
unterhalten wird, und hat die viereinhalb Morgen Försterwiesen und das
‘Schlehengärtlein’ inne.“ Sie liegen zwischen Hauptstraße und Milcheshohl,
nördlich der Milcheshohl, nicht südlich wie die nach ihnen benannte
Straße. Die Straße heißt deshalb auch An und nicht In der
Försterwiese.
Die
Försterwiesen grenzen an die nach Süden abbiegende Hauptstraße, westlich
schließen die Baumäcker an. „In dem jetzigen Johanniswäldchen stand das
Oberförsterhaus“, schreibt Piepenbring, und Lehrer Dorn in der Dorfchronik:
„Die Stelle, an der das Försterhaus stand, heißt noch heute Am Jägerhaus.“
Die Parzelle, in der das Försterhaus gestanden haben wird, liegt südlich der
Straße unmittelbar in der Kurve. Der Rest der Flurabteilung Am Jägerhaus liegt
tiefer als die (aufgeböschte) Wiesbadener Straße, im Wiesengrund.
Im Hainchen
Diese
„Waldblöße“ zwischen Holberg und Wallgraben wurde 1828 gerodet und
in 26 Lose aufgeteilt, die zur Selbstversorgung der Erwerber dienten. 1908 wird
ein Teil der Flur mit anderen zur Bebauung mit Villen angeboten („Auf zum
Taunus“), ohne Erfolg. Erst ab 1949 wird das Gelände mit Wohnbauten besiedelt,
der südliche Teil als „Seeger-Siedlung“. Die Straße im nördlichen Teil hieß
bis zur Gemeindefusion Feldbergstraße.
Kohlweg
Er
hat seinen Namen vermutlich von den Köhlern im Hanberg. 1436: „Zu den alten Beschwerden aber
kamen noch neue hinzu: Der Königsteiner Herr ließ Holzkohlen brennen ...“ Zu einer Vereinbarung kam es 1478:
(u.a.) „Das Kohlenbrennen und Wiesenroden will Herr Philipp einstellen, damit
die Mark nicht Abbruch und Schmälerung erleidet.“ Nach erneuten Klagen und
Beschwerden verpflichtet sich Herr Eberhard 1494/95, „von dem gerodeten
Gelände am Hanberg dem Limburger Abt den Neurod-Zehnten zu entrichten“ (Raven
S.86/87)
Waldhohlstraße
Der
Weg war der Holzabfuhrweg der Markgenossen („Märker“) der Sulzbacher Mark vom Unteren
Bangertweg. Auseinandersetzungen der Märker mit dem Obermärker als
Aufsicht, dem Königsteiner Herren, hatten oftmals die Sperrung des
Holzabfuhrwegen mittels eines Schlages (d.i. ein verriegelbarer Schlagbaum) zum
Ausgang und zur Folge. 1436 will z.B. Eberhard II. wegen übermäßigem und planlosem
Holzeinschlag eine strenge Kontrolle ausüben und verlangt die Holzabfuhr nur
über Königstein, was den Märkern Straßengebühren aufhalste, die bar oder mit
Handdiensten bezahlt werden mußten. 1478 und 1494/95 sperrt Eberhard IV.
bestimmte Waldgebiete, z.B. den Eichkopf, und immer wieder versucht er, die
Rechte der Märker zu beschneiden und sich selbst Rechte anzumaßen.
Der
Weg wurde bei der kath. Kirche durch den Bau der Kleinbahn und die weitere
Bebauung unterbrochen.
Ziegelheck
Im
bereits erwähnten Verzeichnis der Sulzbacher-Markwaldung sind „An und um die
Ziegelhecken“ mit rund 91 Morgen und „Die sogenannte Ziegelhecke“ mit rund
196 Morgen aufgeführt. Daraus ergibt sich, daß die sogenannte Ziegelhecke ein
abgegrenzter Bezirk war, was auch schon das Wort Hecke von mhd. hecke,
hegge, ahd. hegga = hegen, einhegen, umzäunen besagt. Eine Hecke
oder Einzäunung hat man (bisher) nicht gefunden, vielleicht weil man weder
danach gesucht noch davon gewußt hat; man sieht ja nur, was man weiß (wie
Wolfgang Erdmann zu sagen pflegt).
Sulzbach
erhielt bei der Teilung 1809 den größten Anteil mit über 96 ha. (Erst ab 1851
hat der Morgen 25 ar, also nicht einfach umzurechnen.) Die Grenzen der
zugeteilten Waldflächen wurden von den beteiligten Gemeinden mit Grenzsteinen
markiert. Dazu hat Piepenbring notiert: „Den 13. April wurde mit der
Markwald-Aussteinung fortgefahren und wurde mit der Gemeinde Soden an der
Ölmühle angefangen und nach dem Frankenborn nach der Ziegelhütte, wo die
Gemeinde Soden (d.h. der Waldbezirk der Gemeinde) aufhört und sein Distrikt
anstoßet 7 Steine gesetzt und stehet der erste an der Ölmühle unweit des
Wolfsborn bei der Wiese und Lohberg so da jedesmal mit der 16 schuhischen Ruthe
fort ein Stein stehet. Den 14. April wurde mit der Gemeinde Sulzbach die Länge
an der Ziegelhütte nach dem Bangert 15 Steine gesetzt. Dito mit Sulzbach
7 Stück Grenzsteine mit Schneidhain gesetzt, 2 Steine an der Viehhohl auch
Judenhohl genannt.“
Die
erwähnten Grenzen werden die zur Ziegelhecke sein. In der Zeichnung MCCXXII/1516
hat Piepenbring ein Gebäude (ab?)gezeichnet und Ziegelhütte dazu
geschrieben. Diese wird auch in der Grenzbeschreibung des „Höfischen Dinggerichts
zu Schneidhain Gerechtigkeit, Freiheit und seine Erstreckung des Umfangs“
erwähnt: „Erstlich erstreckt sich ermeltes Höfisches Dinggerichts Gemarkung
und Freiheit nach einem Weistum vom Jahr 1443 wie folgt: und fängt an über die
Braubach am Retterspfad der auf die Burg Königstein geht, an der Liederbacher
Waldmark und der Königsteiner Ziegelhütte. Von hier ziehet die Grenze
hinauf zu dem Ebernstein, Sandplacken und dem Frankenborn ...“. Eine Hütte oder
dergleichen hat man bis jetzt nicht gefunden, allerdings auch nicht gesucht.
In Schneidhain an
der Ziegelbach wurde das Fragment eines Pfeilstreckers gefunden, das aus
der Jungsteinzeit stammt. Ein ‘Ziegelbach’ ist heute nicht mehr bekannt;
vielleicht ist eine der Quellen des Retterser Baches, des Frankenborns,
gemeint, der an oder in der ‘Ziegelhecke’ liegt.
Vor fünundzwanzig Jahren
wurde die Gemeinde Schneidhain in die Stadt Königstein eingegliedert. Da gab
es auf einmal doppelte Straßennamen in der Stadt, zum Beispiel zwei
Hauptstraßen, eine in Schneidhain und eine in Königstein. Natürlich konnte nur
die Hauptstraße in Königstein Bestand haben, die Schneidhainer mußte weichen.
Der Ortsbeirat, der zunächst aus der ehemaligen Gemeindevertretung gebildet
wurde, wählte im Februar 1973 den Namen
Wiesbadener Straße
für den ganzen
Straßenzug von Königstein bis zum Ortsausgang Schneidhain. Dadurch entfielen
außer der Hauptstraße die Königsteiner und die Fischbacher Straße. Für ein
Teilstück war Hofheimer Straße vorgeschlagen worden; dann hätte man von
Königstein aus eine Wiesbadener, dann Hofheimer und schließlich Fischbacher
Straße gehabt: eine absurde Vorstellung.
Am Eichkopf
Im Baugebiet
Braubach-Ziegelheck (Am Erdbeerstein) war eine Straße nach dem (Sulzbacher)
Haderheck benannt worden; das ist der Teil des Sulzbacher Markwaldes nördlich
Schneidhain von seiner Westgrenze bis zum Bangert, der Ostgrenze (nach
Abtrennung des Burgbezirks). „Grenzen und Größe des Sulzbacher Markwaldes sind
schon früher heftig umstritten. Wir hören von Streitigkeiten zwischen den
Limburger Vögten (den Königsteiner Herren), die zugleich Obermärker oder
Forstmeister der Waldmark waren, und der Märkerschaft der Dörfer“ (Raven S.84).
Da es auch in Königstein eine Straße Im Haderheck gibt, wurde die Schneidhainer
in Am Eichkopf (nach der Höhe 563,3 nordwestlich Schneidhain) umbenannt.
Am Steinkopf
In diesem Baugebiet war
auch eine Straße nach der Höhe 569,8 nordwestlich Schneidhain, dem Steinkopf,
benannt worden. Von den Erschließungspartnern wurde vorgeschlagen, diese
Nebenstraße in den Verlauf der Straße Am Erdbeerstein einzubeziehen, weil viele
Bauwillige in einer Straße mit diesem schönen Namen wohnen wollten.
Blumenstraße
Anstelle der Bahnstraße,
die es auch in Königstein gibt, hat der Ortsbeirat schließlich in zwei
Sitzungen den blumigen Namen beschlossen, um den Anwohnern für ihre schönen
Vorgärten zu danken. Weil es in Mammolshain schon den Kastanienweg gibt, mußte
auf den Namen An den Kastanien verzichtet werden; er sollte an den früheren
Kastanienhain erinnern. Im Gespräch war auch die Franz-Josef-Weck-Straße zur
Erinnerung an den vermeintlichen „Erfinder“ des Einweckens. Über Johann Weck
aus Schneidhain, der die industrielle Nutzung des Einkochens begründete und
dem Verfahren den Namen gab, wird im nächsten Heft berichtet.
Am Fliederbusch
Dieser Weg müßte
richtigerweise In der Försterwiese heißen. Da man diesen Namen aber schon für
die Sackgasse südlich der Milcheshohl verbraucht hatte, nahm die Mehrheit
diesen Vorschlag an wegen des mit Flieder bewachsenen Plätzchens am Durchgang
zur Wiesbadener Straße.
Am Wäldchen
Die Erschließungsstraße
geht nach Süden weit über diese Flur hinaus; sie ist begrenzt im Norden durch
die Milcheshohl, im Westen durch den Kohlweg, im Süden durch die Höhe 310
hinter dem Haus der Heimstätte und im Osten etwa durch die Höhenlinie 300. Auf
welches Wäldchen sich der Name bezieht, ist nicht bekannt; vielleicht ist das
westlich des Kohlwegs liegende Zankwäldchen gemeint.
Am Wickenstück
Die Straße verläuft in
ihrem östlichen Teil in der terrassenförmigen Flur Wickenstück am Hang etwa
zwischen den Höhenlinien 290 und 270. Der Bewuchs mit Futterpflanzen (Wicken)
und Abstufungen deuten auf die Nutzung als Viehweide hin. Der nördliche Teil
der Straße geht über die Flur Auf der Milcheshohl.
Bangertweg
Der Bangert liegt
nördlich Schneidhain an der Ostgrenze der Sulzbacher Waldmark zur Gemarkung
Königstein. Wegen der widerrechtlichen Nutzung der Waldmark durch die an der
Mark nicht beteiligten Königsteiner gab es häufig Streit (siehe Haderheck).
Aber es gibt keine Zeugnisse, daß es deswegen zu einem Gebot oder Verbot (einem
Bann, „Bannmeile“) gekommen ist. Nach dem HFlNA ist anzunehmen, daß der
Flurname aus Baumgarten entstanden ist. Die Flur ist, jedenfalls im Anschluß an
die Schneidhainer Gemarkung, mit Obstbäumen bestanden. Heute würde man
Streuobstwiesen dazu sagen. Teilweise sind die „Baumstücker“ (noch) eingezäunt,
so daß der Namensteil ‑gert = garten zutrifft.
An den Eichen
Dieser Name entspricht
dem Baumbestand nördlich der Straße in der Gemarkung Königstein, der sich
westlich im Sulzbacher Markwald fortsetzt. Da die Königsteiner Bauern ihre
Schweine zur Eichelmast in bzw. durch den Markwald trieben, gab es häufig
Streit (siehe Haderheck).
Birkenweg
Nachdem einige Birken
gepflanzt wurden, trägt der Weg seinen Namen zu Recht. Straßen sollen nach
Meiung des Ortsbeirates mit Baumnamen benannt werden, wenn keine Flurnamen mehr
herangezogen werden können. Bürgermeister Heinrich Dorn ließ Birken in großer
Zahl anpflanzen (Sportplatz, Friedhof), so daß mit dem Namen auch an ihn
erinnert werden soll.
Rossertstraße
Der in der Stadt mit der
Fusion doppelte Name soll in Schneidhain bestehen bleiben, weil die Straße in
der Richtung auf den Rossert (Höhe 515,9 nordwestlich Fischbach) zielt.
Am Lindenbaum
Die Straße ist vom
namengebenden Lindenbaum einiges entfernt. Durch den Bau von Straßen, Kanälen
und Leitungen war das Wurzelwerk sehr geschädigt, durch auf der Baumscheibe
parkende Kraftfahrzeuge das Erdreich verdichtet worden, so daß der Baum
abzusterben drohte. Nach der gelungenen Sanierung und der Anlage des
Lindenplatzes verschönert der mächtige Baum den Dorfeingang. Die Dorflinde ist
Bestandteil des Schneidhainer Gemeindewappens. Die beiden Linden am Kohlweg,
die das sogenannte Harbecksche Kreuz beschirmen, sind durch Bauarbeiten stark
geschädigt, ihre Wurzeln zum größten Teil gekappt worden. Ein Baum mußte
bereits gefällt werden.
Wallstraße
Lehrer Heinrich Dorn
schreibt in seiner Dorfchronik (S.33): „Nach alten Aufzeichnungen war
Schneidhain ehemals ein ansehnliches Dorf, das durch Wall, Gräben und Hecken
geschützt war. Die heutigen Namen Wallstraße, am Wallgraben, Kirchgraben, Waldhohl
sind darauf zurückzuführen.“ Die erwähnten Aufzeichnungen gibt es nicht
(mehr?), lediglich die bereits erwähnte Skizze von Piepenbring „MCCXXII/1516“
mit Wall oder Graben und Hecke rund um den alten Ortsbereich und nur die
Bezeichungen Wallgraben und Haingraben. Zur Waldhohl siehe Heft 7/1996, zum
Wallgraben 6/1995.
Wiesengrundstraße
„Die Wiesengrundstraße
führte den Namen Judenhohl, was auf jüdische Bewohner schließen läßt“, schreibt
Dorn. Piepenbrings Skizze nennt so einen Teil der Begrenzung Schneidhains
östlich der Kirche. Ein Fluchtlinienplan für die Erweiterung von Schneidhain,
im Oktober 1904 angefertigt und nach Änderungen am 2. Januar 1913 genehmigt,
zeigt die Judenhohl als Verbindung des Dingwegs mit der Ortstraße; eine
Wiesengrundstraße gab es noch nicht.
Jüdische Bewohner waren dort wohl nicht ansässig; der Name deutet auf
den Begräbnisweg der toten Juden z.B. aus Altenhain. Die erwähnte Skizze zeigt
die durchgehende Verbindung vom Altenhainer Todenweg durch die Judenhohl zur
Waldhohl. Fast ohne Berührung mit der christlichen Bevölkerung konnte der
Judenkirchhof am alten Fahrweg nach Schloßborn, unweit vom Naturfreundehaus,
erreicht werden, der schon Ende des 13. Jh. bestanden haben soll. Die
christlichen Toten aus Altenhain wurden, solange Schneidhain Pfarrkirche war,
in Schneidhain beerdigt.
Quellen:
Raven, Otto: Neuenhain. Geschichte
eines Dorfes, Neuernhain 1971.
Dorn, Heinrich: Dorfchronik von
Schneidhain. Manuskript. Stadtarchiv.
Piepenbring, Georg: handschriftliche
Notizen.Stadtarchiv.
Piepenbring,
Georg: handschriftliche Notizen. Stadtarchiv Königstein.
Archäologie um
Königstein. Heimatliche Geschichtsblätter ... Heft 8, 1982.
Sturm-Godramstein,
Heinz: Juden in Königstein, König- stein
1983, S.96.
Hessischer Flurnamen-Atlas u.a.
Nachschlagewerke.