Beate
Großmann-Hofmann
In
früheren Zeiten war das Leben der Menschen wesentlich von Ackerbau und
Viehzucht geprägt. Die Bauern bebauten das Land in drei Teilen: im ersten wurde
das Wintergetreide angebaut, im zweiten Teil das Sommergetreide. Der dritte
Teil lag hingegen brach. Dafür ist uns heute noch der Begriff
"Dreifelderwirtschaft" geläufig. Im 18. Jahrhundert wurde das
Brachland zum Anbau von Gemüse und Kartoffeln genutzt.
Im
Mittelalter waren die Bauern Leibeigene. Wenn der Grundherr seinen Hof
veräußerte, so konnte er die leibeigenen Bauern gleich mitveräußern. Mehrere
Tage in der Woche mußte der Bauer für seinen Herren arbeiten. Es blieb ihm nur
wenig Zeit für den Anbau der Fläche, die der Herr ihm und seiner Familie zum
Unterhalt zur Verfügung stellte. Der Lebeigene war mit seiner Familie zu Hand-
und Spanndiensten (Frondienste) verpflichtet.
Im
Herzogtum Nassau, also auch hier in Schneidhain, wurde die Leibeigenschaft erst
durch das Edikt vom 1. Januar 1808 aufgehoben; 1812 erfolgte dann die Befreiung
von Fronden und Dienstzwang.
1816
setzte die Gemeinde Schneidhain zur Bewachung der Felder den Henrich Wetz als
Feldschützen ein. Die Verhütung von Feldfrevel war seine wichtigste Aufgabe.
Abgesehen von einem Jahresgehalt von 24 Gulden erhielt der Feldschütz noch 24
Kreuzer "Denunziationsgebühr" aus der Gemeindekasse für jeden
überführten Frevler.
In
den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Folge des Anwachsens der
Bevölkerungszahl mehrere Waldstücke, darunter auch im "Hainchen",
gerodet. Zum einen wurde das abgeholzte Gebiet dann in Lose geteilt und
verpachtet, zum anderen wurden hier auf den Gemeindeäckern Apfelbäume wie auch
Kastanienbäume aus Kronberg (letztere vor allem auf dem "Sauwasen")
gepflanzt. Der Obsterlös war eine wichtige Einnahme für Schneidhain.
Die
Zahl der Einwohner in Schneidhain im Jahre 1840 betrug 168, in Königstein 1223,
in Falkenstein 370 und in Mammolshain 239 Einwohner. 82% der Schneidhainer
Familien lebten im eigenen Haus, gegenüber 65% in Königstein, 79% in
Falkenstein und 66% in Mammolshain. Der Viehbestand 1840 in Schneidhain sah bei
168 Einwohnern wie folgt aus: 2 Pferde, 1 Fohlen, 1 Esel, 4 Ochsen (2
Faselochsen, 2 Zugochsen), 35 Kühe (25 Zugkühe, 10 Stallkühe), 10 Kälber, 2
Widder, 39 Mutterschafe, 13 Hammel, 12 Lämmer, 43 Schweine, 12 Ziegen und 16
Bienenstöcke.
Ein
Drittel der Einwohner des Amtes Königstein, das im Jahre 1840 aus 25
Gemeindebezirken bestand, in denen 3521 Familien mit 15154 Einwohnern lebten,
ernährten sich nicht nur von der Landwirtschaft, sondern war gezwungen, sich
durch Nebentätigkeit den Lebensunterhalt zu verdienen. Neben der
Bewirtschaftung der Felder wurden Handwerke ausgeübt (Maurer, Küfer, Schreiner,
Schlosser usw.), Frauen verdienten durch Waschen und Putzen dazu, die jungen
Mädchen gingen in die Stadt "in Stellung". Diese Entwicklung brachte
mit sich, daß die begüterten Bauern sich zur Erntezeit Tagelöhner aus anderen
Regionen Deutschlands nehmen mußten.
Zum
Abschluß: In der uns vorliegenden "Landwirtschaftlichen Beschreibung des
Herzoglichen Amtes Königstein" vom Lehrer Johannes Becker, Lehrer zu
Kronberg, aus dem Jahr 1840 werden 53(!) Brandweinbrenner und 18 Bierbrauer
erwähnt. "Möchten ersterer weniger, letzterer dagegen mehr sein!" so
lautet dazu der Kommentar des Verfassers.
Dieser Artikel wurde zusammengestellt aus der
"Landwirtschaftlichen Beschreibung des Herzoglichen Amtes in Königstein"
vom Lehrer Johannes Becker aus Kronberg und der "Schneidhainer
Dorfchronik" vom Lehrer
Heinrich Dorn.